Trends


In dieser Rubrik berichten wir über Entwicklungen und Meinungen, die aufzeigen, dass eine zunehmend starke Unterströmung existiert, die die Welt auf den Weg zur Synthese, zum Teilen und zur Zusammenarbeit, zu neuen mitmenschlichen Beziehungen und zu neuen Vorgehensweisen bringt.

„Liebe für alle. Hass gegen niemanden.“
Nach dem Mord an einem katholischen Priester durch zwei IS-Anhänger haben am 31. Juli 2016 Muslime in Frankreich und Italien an katholischen Messen teilgenommen, um ihre Verbundenheit zu bekunden.
Der französische Islamrat CFCM hatte die Muslime aufgefordert, „Solidarität und Mitgefühl“ zu zeigen. „Wir sind alle Katholiken Frankreichs“, sagte der CFCM-Vorsitzende Anouar Kbibech.
Muslime besuchten Messen in Rouen – ein paar Meilen von der Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray entfernt, wo der Pfarrer ermordet wurde –, in der Pariser Kathedrale Notre Dame und in Nizza, wo im selben Monat 84 Menschen bei einem ebenfalls vom „Islamischen Staat“ angestifteten Anschlag getötet wurden.
„Das berührt uns sehr“, sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. „Es ist ein wichtiges Zeichen der Brüderlichkeit. Man hat uns gesagt – und es uns ist bewusst, dass das aufrichtig gemeint ist –, dass es nicht der Islam ist, der [Pater] Jacques Hamel getötet hat.“
„Es ist mir sehr wichtig, heute hier zu sein“, sagte der Vorstand der Moschee von Saint-Etienne-du-Rouvray Mohammed Karabila in Rouen. „Wir wollen heute für alle sichtbar machen – indem wir die Familie von Jacques Hamel umarmen, indem wir Seine Exzellenz Lebrun vor allen hier Anwesenden umarmen –, dass unsere beiden Gemeinden miteinander vereint sind.“
Vor der Kirche hielt eine Gruppe von Muslimen ein Transparent mit der Aufschrift „Liebe für alle. Hass gegen niemanden.“ hoch.
Am Tag zuvor hatten sich französische Muslime Mahnwachen für den ermordeten Pfarrer und auch einer „Demonstration der Brüderlichkeit“ im Zentrum von Lyon angeschlossen; auf ihren Transparenten stand unter anderem: „Das ist kein Glaubenskrieg“ und „Wir sind alle Brüder und Schwestern“.
Auch überall in Italien besuchten Muslime als Ausdruck ihrer Verbundenheit die katholische Messe und folgten dem Aufruf muslimischer Geistlicher zu Frieden und Dialog.
„Moscheen sind kein Ort, an dem Fanatiker radikalisiert werden“, erklärte Mohammed Bin Mohammed, ein Mitglied der Vereinigung der islamischen Gemeinden in Italien UCOII. „Moscheen verfolgen das Gegenteil von Terrorismus: Sie fördern Frieden und Dialog.“ (Quellen: bbc.com, huffingtonpost.com)

Rettungsanker Bibliothek
In dem vom Krieg zerrissenen Syrien bietet eine geheime unterirdische Bibliothek mit geretteten Büchern den Menschen Bildung, Hoffnung und Inspiration (*). Sie befindet sich in Daraya, einer Vorstadt von Damaskus, die seit fast vier Jahren von Regierungstruppen und Assad-freundlichen Milizen belagert, bombardiert und ausgehungert wird. In einem großen, schwach beleuchteten Raum tief unter einem zerbombten Gebäude stehen Regale mit 14 000 aus zerstörten Häusern geretteten Büchern. Mit der Aufgabe des „stellvertretenden Bibliothekars“ wurde der 14-jährige Amjad betraut, der jeden Tag die unterirdische Bibliothek besucht und dort Schutz vor Bomben und Granaten sucht. Die Bibliothek umfasst Belletristik und Sachbücher, darunter auch wertvolle Nachschlagewerke, die es der Kommune ermöglichen, trotz der Katastrophe weiter zu funktionieren: Hier können freiwillige Helfer aus Krankenhäusern, Ärzte und Zahnärzte medizinische Informationen für ihre Behandlungen finden und nicht ausgebildete Lehrer den Unterricht für ihre Klassen vorbereiten.
„Wir hielten diese neue Bibliothek für lebenswichtig, um das Bildungsangebot aufrechterhalten zu können. Wir haben sie im Keller eingerichtet, damit sie nicht wie so viele andere Gebäude hier von Bomben und Granaten zerstört wird“, erklärt Anas Ahmad, einer der Gründer der Bibliothek, der sein Bauingenieurstudium wegen des Kriegs abbrechen musste. Ahmad und andere Freiwillige durchsuchen jeden Tag zerstörte Gebäude und riskieren dabei Leib und Leben: „Wir holen die Bücher oft aus ausgebombten Wohnungen, die meist in Frontnähe liegen“, erzählt Ahmad, „deshalb ist das sehr gefährlich.“
Die Adresse der Bibliothek ist ein gut gehütetes Geheimnis, damit die kostbare Sammlung nicht zum Angriffsziel wird. Inzwischen sind 10 Prozent der 80 000 Einwohner von Daraya geflohen und über 2000 Menschen, darunter viele Zivilisten, getötet worden. In knapp vier Jahren konnten nur zwei Hilfskonvois in die belagerte Stadt gelangen. Die Kinder müssen fast immer im Haus bleiben und sich die Zeit mit Spielen oder Büchern aus der Bibliothek vertreiben. „In gewisser Weise hat mir die Bibliothek mein Leben zurückgegeben... So, wie der Körper Nahrung braucht, braucht die Seele Bücher“, sagt Abd al-Baset al-Ahmar aus Daraya.
Auch Omar Abu Anas besucht die Bibliothek und glaubt, dass sie die Entschlossenheit der Bürger, ihre Heimatstadt zu verteidigen, stärkt. „Ehrlich, ich schwöre: Die Bibliothek hat einen ganz besonderen Platz in unseren Herzen. Und jedes Mal, wenn in der Nähe der Bibliothek Bomben einschlagen, beten wir für sie. Bücher motivieren uns dazu, weiterzumachen. Wir lesen, wie sich alle Welt von einem Land abgewandt hatte, aber die Menschen dort es trotzdem geschafft haben. Also können wir das auch. Die Bücher helfen uns, unser Leben nach Assad zu planen. Das können wir nur dank der Bücher, die wir hier bekommen können. Wir wollen ein freies Land sein. Und ich hoffe, dass wir das mit Hilfe der Bücher auch schaffen.“ (Quelle: bbc.co.uk)



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