Stimme des Volkes

Palästinenser protestieren gegen die Gaza-Blockade und für ihr "Rückkehrrecht"


"Ein Zaun, der Israel und den Gazastreifen trennt, ist zum jüngsten Brennpunkt des jahrzehntelangen Konflikts geworden, seitdem israelische Soldaten tödliche Gewalt gegen die meist unbewaffneten arabischen Demonstranten einsetzen, die seit Wochen jeden Freitag demonstrieren."
So beginnt ein Artikel in der New York Times vom 13. April 2018, in dem die Proteste beschrieben werden, die den Tod Dutzender Palästinenser und die Verwundung weiterer Tausender zur Folge hatten.

Die Demonstrationen, die am 30. März begannen und immer freitags bis zum 15. Mai geplant sind, sind Teil einer Kampagne gegen die seit elf Jahren anhaltende Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten. Die Demonstranten wollen damit auch das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge und ihrer Nachkommen in die Gebiete, aus von denen sie 1948 vertrieben wurden, geltend machen.

Einer der Initiatoren einer friedlichen Widerstandskampagne im Gazastreifen ist der Aktivist und Journalist Ahmad Abu Artema, der diese Idee auf Facebook gepostet hatte. Artema fragte sich, "was wohl passieren würde, wenn Tausende Bürger des Gazastreifens, die große Mehrheit von ihnen Flüchtlinge und ihre Nachkommen, versuchen würden, auf friedliche Weise die Grenze zu überschreiten und ihre ehemaligen Wohnhäuser aufzusuchen", schrieb The Guardian.

Um gefährliche Situationen an der Grenze zu vermeiden, sahen die Organisatoren dann jedoch vor, "in einem Abstand von einigen hundert Metern Zelte aufzubauen und Mahlzeiten einzunehmen, den traditionellen Volkstanz dabke aufzuführen, Fußballspiele und sogar Hochzeiten abzuhalten", so The Guardian.

Artema lehnt bewaffneten Widerstand strikt ab, auch weil er der Meinung ist, das diese Strategie versagt hat. "Es ist nicht nötig, auf die Besatzung mit Waffen zu antworten. Du kannst dich mit dabke widersetzen oder indem du einfach bloß dasitzt."
Die politischen Parteien Palästinas, auch die Hamas, unterstützen die Bewegung. "Ich bin kein Sprachrohr der Hamas", beteuert Artema. "Es ist positiv, dass sie anfangen, an eine friedliche Auseinandersetzung zu glauben. [Israel] wollte eine gewaltsame Konfrontation, sie wollen sich nicht mit Menschen auseinandersetzen. Sie wollen mit Raketen und Geschossen konfrontiert werden." Die Tatsache, dass einige wenige Leute Steine warfen, rechtfertigt aus seiner Sicht nicht den scharfen Beschuss.
Israels gewalttätige Antwort auf die Proteste stieß auf viel Kritik. Die UN und die EU fordern eine unabhängige Untersuchung.

"Wir wollen so leben, wie alle anderen in der Welt auch", sagt Omar Hamada, arbeitsloser Bauarbeiter und einer der Demonstranten. "Wir sind hierhergekommen, damit die Welt uns sieht und erfährt, wie miserabel die Lebensbedingungen hier sind und dass eine Lösung gefunden werden muss." (Quelle: theguardian.com; nytimes.com; Associated Press)